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High-Tech-Dachrinne an der ARENA AufSchalke Bei der im August 2001 fertig gestellten ARENA AufSchalke, dem wohl zurzeit modernsten Fußballstadion in Europa, wurde die wahrscheinlich größte Dachrinne des Ruhrgebietes installiert.
Abb. 2.3.1 Luftbild der Großbaustelle ARENA AufSchalke; Quelle: FC Schalke 04-Stadion-Beteiligungsgesellschaft 4/2000 Hierbei handelt es sich nicht um eine Dachrinne im herkömmlichen und allgemein bekannten Stil, sondern um eine Dachrinnenkonstruktion mit gewaltigen Dimensionen. Es gilt, das anfallende Regenwasser vom ca. 45.000 m² großen Dach der ARENA, fachgerecht und möglichst "unsichtbar" abzuleiten. Hinzu kommen weitere besondere technische Anforderungen an die Dachrinne, wie: - mechanische Trennung der Dachrinne von der Dachkonstruktion
wegen horizontaler Ausdehnung des Daches
Abb. 2.3.2 bis 2.3.3 Grundriss und Schnitt des Stadions Die gesamte Rinnenkonstruktion ist angebracht an 40 m langen Gebäudebetonsegmenten, die sich an den Stößen dreiaxial über aufwendige Dehnfugen zueinander verschieben können. Die Erfüllung dieser Forderungen insgesamt wurde realisiert auf einer verzinkten Stahltragkonstruktion in Gitterbauweise mit einer stabilen innen liegenden Rinne aus 10 mm dicken Stahlblech als Tragschale, der zugehörigen Innenentwässerung aus Stahlrohren und der äußeren Bekleidung mit leichten Sandwichelementen (Stahldeckschichten mit Kerndämmung aus Polyurethan-Hartschaum) sowie einer Innenwandbekleidung über der letzten Tribünenreihe aus einer Stahlkassettenkonstruktion, mit definierter Mineralwollfüllung und perforierten Trapezprofilen als geprüfte Schallabsorptionswand. Diese Dachrinne darf mit ihren Dimensionen wohl zu Recht als die "Größte ihrer Art" im Ruhrgebiet, vielleicht sogar in Deutschland, bezeichnet werden.
Abb. 2.3.4 Vertikalschnitt durch Rinnenkonstruktion der ARENA AufSchalke; Quelle: Oostingh Staalbouw BV, NL Katwijk aan Zee
Abb. 2.3.5 Blick in die 750 m lange Dachrinne, die komplett von außen mit Stahl-Sandwichelementen bekleidet ist; Quelle: Autor
Die äußeren Abmessungen der gesamten Dachrinnenkonstruktion betragen: Höhe ca. 4,6 m, mit einer freien Auskragung von Außenkante Gebäude bis runder "Flügelspitze" von ebenfalls ca. 4,6 m. Die Bekleidung der Dachrinnentragkonstruktion erfolgte mit Stahl-Sandwichelementen mit nicht sichtbarer Befestigung. Aus Sicherheitsgründen wurde in dem Bereich der auskragenden Spitze noch eine zweite innen liegende Dachrinne angebracht, die das Regenwasser von der inneren Dachrinnenschräge, Fläche ca. 1.440 m² separat ableitet. Der äußere Bekleidungsabschluss an der vorderen Dachrinnenkante wurde mit rund geformten Sandwichelementen ausgeführt. Hierzu war es notwendig, gemäß dem vorgegebenen Radius der architektonischen Formgebung, separate Formschablonen für die Erstellung der Sandwich-Formteile herzustellen.
Abb. 2.3.6 Vormontage der inneren
Dachrinnenschräge mit Sandwichelementen Als Außenbeschichtung wurde eine 60 µm dicke Bandbeschichtung vom Typ "Hairexel-Granite" gewählt. Den Farbton gab der Bauherrn aus dem Corporate Identity des FC Schalke 04 vor. Das markante Blau der gesamten äußeren Bekleidung wird durch das gewählte Farbsystem in seiner Farbstabilität langfristig gesichert.
Abb. 2.3.7 An der Fassade der ARENA AufSchalke dominieren blaue Farbtöne, die der CI des FC Schalke 04 entsprechen; Quelle: Autor Alle zugehörigen Kantteile wurden ebenfalls aus gleicher Lackcharge gefertigt, damit es auch nach längerer Bewitterung zu keinen unterschiedlichen Farbeindrücken kommt. In die Bekleidung der Dachrinne brachte man entsprechende Lüftungsgitter im gleichen Farbton ein. Zusätzlich wurde ein umlaufendes blau leuchtendes Neonlichtband in die untere Dachrinnenbekleidung eingebaut, deren blaues Streiflicht der äußeren Glasfassade bei Dunkelheit einen ganz besonderen Lichteffekt verleiht. Der innere Wandabschluss zur ARENA-Innenseite oberhalb der letzten Tribünenreihe ist ebenfalls noch Bestandteil der gesamten Dachrinnenkonstruktion. Das zuständige Beschallungsfachunternehmen für die ARENA AufSchalke hatte vorgegeben, dass hier eine Akustikwand anzubringen ist, die einen mittleren Schallabsorptionswert von as ³ 0,9 erbringen muss. Eine Wand mit diesen Anforderungen, bestehend aus einer freitragenden Stahlkassettenkonstruktion mit entsprechender Mineralwollfüllung und gelochten Trapezprofilen, gab es so noch nicht. Aus diesem Grund wurden entsprechende Beschallungsversuche bei einem staatlichen Materialprüfamt mit Erfolg durchgeführt. Die geforderte Schallabsorptionskurve konnte erfüllt werden. Und wie sich nach den ersten offiziellen Veranstaltungen der ARENA AufSchalke herausstellte, ist die Beschallung und Akustik des Stadions wirklich gut gelungen. Eine weitere Besonderheit war die Erstellung von
vordefinierten Dehnfugen. Durch die topografische Lage der ARENA auf altem
Grubengelände mit Bodensetzungen, wurde das gesamte Rund der ARENA
in einzelnen festen Betonsegmenten von je ca. 40 m Länge erstellt.
Jedes dieser relativ großen Betonsegmente kann sich dreiaxial verschieben
und zwar bis zu 40 mm. Zur Aufnahme dieser Körperbewegungen wurden
spezielle Dehnfugen entwickelt, die sich jeweils durch die ganze Tribünen-
und Fassadenkonstruktion erstrecken, konsequenterweise auch quer durch
die Dachrinne.
Abb. 2.3.8 Unverkleidete Stahl-Unterkonstruktion
für die Dachrinne
Abb. 2.3.9 ARENA AufSchalke bei
Nacht mit geöffneter Dachkonstruktion; Eine weitere Besonderheit stellte der Anschluss der Rinne an das bewegliche Dach dar. Die gesamte Dachkonstruktion, ein Stahl-Raumtragwerk mit Zelt-Membrandach, kann sich auf horizontaler Ebene um ± 400 mm bewegen. Dies bedeutete, dass der Rinneneinlauf nicht direkt mechanisch an die Dachrinne angebunden werden konnte. Auch dieses Problem wurde gelöst, durch kleine Überhangdächer mit bekleideten Stahltrapezprofilen, die das vom Zeltdach abfließende Wasser in die Rinne einleiten. Damit die Haustechnik mit ihren Entlüftungs-, Abluft- und Heizungsrohren weder das durchgehende Band der Dachrinne, noch die homogene Glasfassade mit ihren Durchdringungen architektonisch beeinträchtigt, wurden an acht Ecken polygonal ausgeführte kleine Eckdachflächen ausgebildet, durch die man die gesamte Installationstechnik, nach außen abführte. Die innen liegenden Rinnen wurden zusätzlich mit einer EPDM-Folie eingedichtet. Alle beschriebenen technischen Besonderheiten konnten zum Zeitpunkt der Planung noch nicht hundertprozentig gelöst werden. Hier wurde vor Ort in Zusammenarbeit mit einer kompetenten Oberbauleitung und der Kooperation aller Beteiligten viel Detailarbeit an der Baustelle geleistet. Besonders hervorzuheben ist der logistische Material- und Montageablauf während der gesamten Bauphase. Durch die generalstabsmäßige Organisation wurde der Bauablauf und die Termineinhaltung weitestgehend gewährleistet, stand doch mit Beginn der Bundesliga Saison 2001 ein nicht mehr umzustoßender Fixtermin fest. Das Ergebnis und die öffentliche Resonanz zu dieser faszinierenden ARENA AufSchalke ist durch Funk, Fernsehen und Presse mittlerweile europaweit bekannt. Die High-Tech-Dachrinne trägt mit einem Kosten-Gesamtaufwand von ca. 2,3 Mio. €, was einem Preis von knapp über 3.000,- € je Meter Dachrinne entspricht, funktional und auch architektonisch zur gelungenen ARENA AufSchalke bei.
Abb. 2.3.10 Polygonale Eckdachflächen während der Montage; Quelle: Autor Bauherr: FC Schalke 04-Stadion-Beteiligungsgesellschaft mbH, Gelsenkirchen Architekten: PPH INTERNATIONAL Planungsgesellschaft mbH in Zusammenarbeit mit Architekten Becker Köpcke AIG Fachplaner: Oostingh Staalbouw BV, NL Katwijk aan Zee. in Zusammenarbeit mit KUBUS bouwkundig facilitair buro Generalunternehmen: HBM Bau GmbH; Essen
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