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Architektur zum Anbeißen

Im hessischen Griesheim setzte sich Bauherr Thiemo Hamm für den Bau seiner neuen Metzgerei mit Partyservice, Imbiß und Laden ein ehrgeiziges Ziel: die sinnvolle und wirtschaftliche Verknüpfung zwischen rationalisiertem Produktionsbetrieb mit kühltechnischen Aufgaben, repräsentativem und funktionalem Büro- und Sozialbereich sowie einem attraktiven Verkaufs- und Imbißbereich. Inmitten eines von typischen Gewerbebauten geprägten Stadtteils lag dem Bauherren auch an gestalterischen Akzenten. Einerseits wollte man sich positiv von der "kubistischen" Gewerbebebauung in der nahen Umgebung unterscheiden, andererseits wollte man aber nicht mit einer denkmalsetzerischen Palastideologie die Kunden und Bürger brüskieren, und selbstverständlich wollte man auch die Baukosten in wirtschaftlichen Grenzen halten.
Das planerische Konzept ging für Thiemo Hamm und sein 65köpfiges Team in jeder Hinsicht auf, denn der Verkauf, Imbiß und Partyservice für die leckeren Wurst- und Fleischspezialitäten läuft optimal, während sich die betriebswirtschaftlichen Kosten für den Produktionsbetrieb in den kalkulierten niedrigen Grenzen halten.

 


Abbildung 1: Ostansicht zum zweigeschossigen Produktions- und Verkaufsgebäude der Metzgerei Hamm Planung und schlüsselfertige Ausführung: Ganz Kühlhausbau GmbH, Hannover

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Nach dem Leitsatz des Bauhausgründers und Architekten Walter Gropius "form follows function" entschieden sich Bauherr und Planer aufgrund der unterschiedlichen funktionalen Gebäudeschwerpunkte für eine Mischbauweise. Verkaufs- und Bürobereich wurden als zweigeschossiger Massivbau, der gesamte Produktions- und Auslieferungsbereich für den Partyservice in energiesparender Sandwichbauweise ausgeführt.
Während man dem massiven zweigeschossigen Verkaufs- und Bürobereich ein mäßig geneigtes Satteldach aufsetzte, das in der Hauptachse um 90° gedreht und an den Stirnseiten abgewalmt ist, gab man dem Produktionsbereich bewußt eine andere Satteldachform, eine größere Dachneigung und eine andere Farbe. Dem klassischen Ziegelrot des Massivbaudaches setzte man als Kontrast das warme Gelb des Sandwichdaches gegenüber und nutzte es als Werbefläche für das pinkfarbene Markenzeichen des Party-Profis Hamm.


Abbildung 2: Verkaufs-, Büro- und Sozialbreich befinden sich im Massivbau (links), für den Produktionsbereich mit Kühlung und Lager (rechts) entschied man sich zur energieeinsparenden Sandwichbauweise

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Mit türkisen Lisenen und gleichfarbigen Konstruktionselementen setzte man das Farbkonzept des Innenbereichs auch an der Fassade des massiven Gebäudetrakts um. Die Innengestaltung des Verkaufs- und Imbißbereichs erfolgte in enger Kooperation mit dem Ladenbauspezialisten Haeku.


Abbildung 3 : Innengestaltung des Verkaufsbereichs


Abbildung 4 : Innengestaltung des Imbißbereichs


Abbildung 5 : Innengestaltung des Bürobereichs

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Zwischen Produktionstrakt und Verkaufsbereich wurde das Treppenhaus so angeordnet, daß es sowohl den Personenverkehr von außen, als auch Arbeitswege zwischen Verkauf, Büro und Produktionsbetrieb funktional und zeitsparend erschließt.

 


Abbildung 6 : Anordnung des Treppenhauses zwischen Produktions- und Verkaufstrakt


Abbildung 7: Anschluß der Sandwichkonstruktionen von Fassade und Dach am massiven Treppenhaus

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Wie man in Abbildung 7 gut erkennen kann, wurden die Sandwichkonstruktionen von Dach und Fassade des Produktionsbetriebes größtenteils direkt am massiven Treppenhaus angeschlossen.

 

Produktionstrakt: Betriebswirtschaftlichkeit im Vordergrund

Bei der Entscheidung zur Sandwichbauweise standen in erster Linie betriebswirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Der größte Teil der fünf Produktionsabteilungen (Zerlegung, Produktion, kalte und warme Küche, Vacuumierung / Versand) muß ständig mit Kühlenergie beschickt werden. Deshalb kam hierfür nur eine Bauweise in Betracht, die ein Höchstmaß an Energieeinsparung sowie Luft- und Wasserdampfdichtheit für die gesamte Gebäudehülle aufweisen konnte. Hinzu kamen die hohen Anforderungen nach den geltenden EG-Richtlinien der Fleischbranche und an die hygienische Unbedenklichkeit der eingesetzten Bauteile.


Abbildung 8 : Grundriß EG mit Verkaufsbereich, Produktionsbetrieb mit Kühlräumen und Partyauslieferung – Fläche 1.200 m2


Abbildung 9 : Grundriß OG mit Bürobereich, Sozialtrakt, Lager und Technikräumen für die Kühlung – Fläche 1.200 m2

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Das Tragwerk für den zweigeschossigen Produktionsbereich ist eine Mischkonstruktion aus Stahl mit massiver Zwischendecke. Auf diesem Tragwerk sind die hellgrauen Wand- und gelben Dachelemente mit einer Systembreite von 1.176 mm (Wand) und 1.000 mm (Dach) befestigt (System ems-Isolierpaneele). Unterhalb der massiven Zwischendecke im Produktionsbereich wurde die Decke mit Sandwichelementen abgehängt. Den "bekriechbaren" Hohlraum zwischen Massivdecke und abgehängter Decke nutzte man als Montageraum für diverse Versorgungsleitungen. Die im Kernbereich bis zu 6 m hohen Wandflächen konnte man für großzügige Regaleinbauten nutzen.

Einer der wesentlichen Vorteile dieser Sandwichelemente ist die zwischen zwei Stahl- oder Aluprofilen eingeschäumte Kerndämmung Polyurethan-Hartschaum. Sie bietet die beste Wärmedämmung aller derzeit bekannten Dämmstoffe. Für Dach und Wand setzte man 80 mm dicke Elemente mit einem mittleren k-Wert von 0,30 W/m2K ein. Von weiterem Vorteil ist die luft- und wasserdampfdichte Verbindungstechnik dieser Elemente, die man durch die spezielle doppelte Nut- und Federausbildung erzielt. Die bauphysikalische Qualität dieser Gebäudehülle sichert Thiemo Hamm eine außerordentlich wirtschaftliche Nutzung der Kühlenergie.


Abbildung 10 : Luft- und wasserdampfdichtes Verbindungsprinzip der Sandwichelemente für Kühlhauswände mit Doppelnut- und Doppelfeder (Hohlkammerprofil als optischer Abschluß für die Bauteilfuge)

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Türkonzept im Kühl- und Tiefkühlbereich

Die Erzeugungskosten von Kälteenergie liegen um ein Vielfaches höher als die Kosten für Heizenergie. Ebenso wichtig ist es natürlich für einen fleischverarbeitenden Betrieb, einwandfreie Qualität des Kühlgutes zu sichern. Hinzu kommen noch die Anforderungen für schnelle und reibungslose Abläufe bei Lieferung, Verkehr zwischen den Produktionsabteilungen und Aus­lieferung. Aus diesen Gründen war eine optimale Konzeption der Türen im Kühl- und Tiefkühlbereich unumgänglich.


Abbildung 11 Allseitig dicht schließende Kühlraum-Drehtüren mit 80 mm dicker Kerndämmung aus PUR-Hartschaum für das Türblatt und ein entsprechend gedämmter Rahmen sichern die betriebswirtschaftlichen Abläufe im Produktionsbetrieb Hamm

 

Auch hier konnte sich der Bauherr ganz auf die Erfahrungen von Ganz Kühlhausbau verlassen. Alle Dreh- und Schiebetüren des Produktionsbereichs sind hochwertige Sandwichkonstruktionen in den Türblättern mit dämmenden Polyurethan-Hartschaumkernen von 60 bis 140 mm Dicke ausgerüstet (System ems-Isoliertüren). Die Deckschalen sind aus Stahl bzw. Edelstahl und genügen höchsten Korrosionsschutzanforderungen sowie hygienischen Auflagen. Durch spezielle Dichtungssysteme lassen sich sowohl Dreh- als auch Schiebetüren allseitig dicht abschließen. Eine ausgereifte und ergonomische Beschlagmechanik sorgt für einfache, sichere und kraftsparende Bedienbarkeit.


Abbildung 12: Drehtür für Gefrierraum bis –28° C (System ems GTM) mit 125 mm Kerndämmung im Türblatt sowie elektrischer Rahmenheizung


Abbildung 13 Einbau einer Gefrierraum-Drehtür für Sandwichbauweise bis -28°C (System ems GTM)

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Exakt im Kostenplan und in der geschäftlichen Erwartung

Die intensive Vorplanung der Ganz Kühlhaus GmbH begann mit Konzeptstudien, die bereits nach wenigen Wochen in einem Entwurf mündeten, der in allen Punkten mit dem Bauherren und mit den unterschiedlichen Gewerken bzw. Zulieferern abgestimmt war. Bauantragsverfahren, Ausführungs- und Detailplanung, Bauleitung und Generalbaudurchführung lagen ebenfalls im Verantwortungsbereich des Kühlhausspezialisten. Nach sieben Monaten Bautätigkeit konnte der Bauherr sein neues Betriebsgebäude einweihen. Was den Bauherren am Tag der Einweihung besonders freute: die geplanten Baukosten wurden um keine Mark überschritten. Nach einem Jahr erfolgreichen Betriebs stand für Thiemo Hamm dann auch endgültig fest, daß die sich die betriebswirtschaftlichen Kosten exakt im Rahmen der Planung bewegen.


Abbildung 14 Zufriedener Bauherr Thiemo Hamm


Abbildung 15 : Metzgerei, Imbiß und Partyservice Hamm: Kundennahe Architektur mit optimaler Betriebswirtschaftlichkeit

Und, was für den Bauherren der wichtigste Nutzen seines neuen Gebäudes ist: die Kunden kommen gerne und sie kommen zahlreich. Sicher ist dies eine Bestätigung für die Qualität der Hammschen Fleisch- und Wurstwaren, wohl aber auch für die Akzeptanz einer gelungenen gestalterischen und funktionalen Gebäudekonzeption im Sinne der Kunden, die es nutzen.

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Autoren:Rolf Koschade - Klaus Kämpfer


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