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Verbindungselemente im Sandwichbau

1. Einleitung

Im Alltag der Menschen existiert das Schraubengewinde schon seit ca. 3000 Jahren. Gefertigt wurden Gewinde aus Holz und dienten zunächst nur als Press-, Förder- und Hebewerkzeug. Die Nutzung einer Schraube als Verbindungselement (VE) war wirtschaftlich betrachtet lange Zeit nicht denkbar, da es sich um stückgefertigte Ware mit entsprechendem Wert handelte. Das älteste bis heute bekannte Beispiel für eine Nutzung des Gewindes zur Befestigung geht auf das Jahr 1362 zurück. Es handelt sich um ein Altarkreuz (Melker Kreuz) mit einem geschnittenen Rechtsgewinde aus Metall.

Heute sind Schrauben Massenartikel. Sie werden in der Regel spanlos hergestellt und finden in fast jeder Branche eine Anwendung, sowohl in der Medizin, Maschinenbau, Elektronik als auch im Bauwesen.

2. Anforderungen

Der industrielle Leichtbau ist eine moderne Bauweise (Erste Wellbleche wurden 1858 in England mit 1 mm Stahlkern und 80 - 100 µm Zinkschichtdicke je Seite gefertigt) die neue Herausforderungen an die Verbindungstechnik stellte. Die Notwendigkeit, große und dünnwandige Elemente von nur einer Zugangsseite rationell zu befestigen schließt eine Reihe klassischer Verbindungen aus dem Metallbau aus. Auch für die Sandwichbauweise gilt es, die Verbindungselemente auf die Besonderheiten des Bausystems und auf die Art der Tragkonstruktion optimal abzustimmen. Die Anforderungen an geeignete Verbindungselemente werden auf den folgenden Seiten beschrieben.

Abb. 5.6.1 Leupolds „Schau-Platz des Grundes Mechanischer Wissenschaften“ (1724 n. Chr.) gibt in Kapitel VII einen Einblick, wie Holzschrauben gefertigt wurden

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Abb. 5.6.2 Römische Schraubenmutter in Form von Stiften nach Beschreibung des Heron, 2. Jh. n. Chr. Quelle: F. Feldhaus: Documenta Technica, Georg Olms Verlag 1985

Abb. 5.6.3 Das Melker Kreuz enthält vermutlich das älteste bekannte Metallgewinde für eine Befestigung (1362 n. Chr.). Quelle: Internet

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Abb. 5.6.4 Gewindeformende Schraube aus Edelstahl zur Befestigung von Sandwichelementen nach modernster Fertigungstechnologie

Statisch und dynamisch belastbar

Um die Standsicherheit des gesamten Komplexes zu gewähren, müssen alle anfallenden statischen und dynamischen Belastungen, die auf ein Gebäude wirken, von einem Bauteil auf das nächste sicher übertragen werden. Die Last, die auf ein Sandwichelement einwirkt (z.B. Windsog) wird immer über das Verbindungselement in die Unterkonstruktion geleitet. Die Folge ist eine Konzentration von Kraftlinien im Bereich der Verschraubung.

Regensicher

Um zu vermeiden, dass ablaufendes Wasser in das Gebäudeinnere gelangt, müssen Verbindungselemente, die im Außenbereich eingesetzt werden eine Dichtfunktion übernehmen. Die Dichtfunktion wird von Dichtscheiben mit aufvulkanisierter EPDM-Dichtung erfüllt. Die Dichtheitsanforderungen an ein Verbindungselement im Dachbereich sind höher als an ein VE im Fassadenbereich.

Korrosions- und Witterungsbeständig

VE die ganz oder teilweise der Außenluft ausgesetzt sind, müssen aus nichtrostendem Stahl bestehen (Bauaufsichtliche Zulassung Z-14.1-4 und Z-14.4-407). Die EPDM-Dichtung der Dichtscheiben zeichnet sich aus durch eine hervorragende Beständigkeit gegen Alterung, Ozon, Witterungs-- und Umwelteinflüsse.

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Die genannten Anforderungen werden erfüllt von:

- Gewindefurchenden Schrauben, s. Abb. 5.6.5
- Bohrschrauben, s. Abb. 5.6.6
- Blindniete, s. Abb. 5.6.7
- Setzbolzen, s. Abb. 5.6.8

Abb. 5.6.5 Gewindefurchende Schrauben

Abb. 5.6.6 Bohrschrauben

Abb. 5.6.7 Blindniete

Abb. 5.6.8 Setzbolzen

 

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Betrachtet man eine Verbindung, gibt es immer ein lastgebendes Bauteil (Bauteil I) und ein lastaufnehmendes Bauteil (Bauteil II). Die Bauteile werden mit einem geeigneten Verbindungselement sicher miteinander verbunden.

 

3. Gewindefurchende Schrauben

Bei allen, heute üblicherweise zur Befestigung eingesetzten Schrauben handelt es sich um gewindefurchende Schrauben und nicht, wie oft fälschlich bezeichnet, um Gewindeschneidschrauben. Gewindeschneidschrauben sind genormt nach DIN 7513 und DIN 7516 und erzeugen ihr Muttergewinde spanabhebend. Gewindefurchende Schrauben erzeugen durch „Verdrücken“ des Materials ihr Muttergewinde spanlos.

Durch das spanlose Verformen und die Elastizität des Bauteils kommt es zu einem toleranzfreien Klemmsitz der Schraube und damit zu einer höheren Rüttelfestigkeit und einem höheren Lösemoment gegenüber Gewindeschneidschrauben. Gewindefurchende Schrauben sind, was Werkstoff und Festigkeit betrifft nicht genormt. Festigkeitswerte und die Eignung zum Gewindeformen sind in ihrer bauaufsichtlichen Zulassung geregelt.

Gewindefurchende Schrauben sind sowohl geeignet zur Befestigung von Sandwichelementen auf Unterkonstruktionen aus Stahl als auch auf Holz.

Als vorteilhaft erweist es sich, dass dieser Schraubentyp ohne Einschränkung hinsichtlich der Materialdicke für Stahlunterkonstruktionen verwendet werden kann. Ein elementares Anwendungskriterium ist die Wahl des richtigen Bohrlochdurchmessers. Der Bohrlochdurchmesser ist immer abhängig von der Dicke der Unterkonstruktion, auf die ich befestigen möchte sowie dem Schraubendurchmesser. Der richtige Bohrlochdurchmesser kann entweder der bauaufsichtlichen Zulassung entnommen, oder direkt beim Hersteller erfragt werden.

Laut bauaufsichtlicher Zulassung sind gewindefurchende Schrauben bei Stahlunterkonstruktionen mit ihrem zylindrischen Gewindeteil bei Dicken des Bauteils II bis zu 6 mm voll, und bei größeren Dicken des Bauteils II mindestens mit 6 mm Länge einzuschrauben. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Schraubenlänge immer richtig gewählt ist, wenn die Schraube mindestens 20 mm länger ist als das Sandwichelement.

Abb. 5.6.9 Verbindungselement mit lastgebendem und lastaufnehmendem Bauteil

Abb. 5.6.10 Tabelle mit Bohrlochdurchmesser für gewindefurchende Schrauben, Typen JA Æ 6,5 mm und JZ Æ 6,3 mm - Quelle: EJOT Baubefestigungen GmbH, Bad Laasphe

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Abb. 5.6.11 Direktverschraubung herkömmlicher Edelstahlschrauben (links) und Cronimaks-Spezialschrauben® (rechts) in hochfester Unterkonstruktion

Im Industriebau sind immer häufiger Stahlprofile anzutreffen, deren Festigkeit deutlich oberhalb der von üblichen Baustählen St37 liegt. Besonders bei höherfesten Unterkonstruktionen aus St52 (S355 Jxx) oder Edelstahl stoßen jedoch herkömmliche, bauaufsichtlich zugelassene Edelstahlschrauben an die Grenze der Montierbarkeit, da die durch den Umformprozess erzielbare Festigkeitssteigerung im Gewinde nicht ausreicht, das Gegengewinde prozesssicher zu formen.

Konventionelle Schrauben erfahren bei der Direktverschraubung in Stahlbleche mit Zugfestigkeiten ≥ 500 N/mm² eine Verformung der Gewindeflanken, das Muttergewinde wird nicht ausreichend geformt. Eine Verspannung der Bauteile und die planmäßige Übertragung der zulässigen Lasten ist dadurch nicht möglich.

Eine neuentwickelte Edelstahlschraube (Cronimaks® Typ JZ7) mit bauaufsichtlicher Zulassung für die Befestigung von Stahlprofilblechen (Z-14.1-4, Blatt 6.24 und 6.25) und Sandwichelementen (Z-14.4-407, Blatt 1.25 und 1.26) auf höherfesten Unterkonstruktionen St52 (S355 Jxx) ermöglicht das Formen des Muttergewindes in Bauteilen aus Baustahl oder Edelstahl mit Zugfestigkeiten bis 800 N/mm².

Diese speziellen gewindefurchenden Schrauben werden ebenso aus austenitischem Edelstahl hergestellt. Im Rahmen umfangreicher Korrosionstests [7] und einer gutachterlichen Stellungnahme der BAM wurde die Vergleichbarkeit zu konventionellen A2-Werkstoffen (1.4301) nachgewiesen.

Durch gezielte Werkstoffauswahl und spezielle Fertigungstechnologien erreichen Cronimaks®-Schrauben eine Härte der Gewindeflanken, die deutlich über der Härte bisheriger Produkte liegt.

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Abb. 5.6.12 Diagramm zum Härteverlauf des Schraubengefüges bei herkömmlichen und speziellen Cronimaks®-Schrauben mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung

Abb. 5.6.13 Definition der Bohrleistung

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4. Bohrschrauben

Die selbstbohrenden Schrauben (Bohrschrauben) unterscheiden sich in ihrer Verschraubungstechnik nicht von den gewindefurchenden Schrauben. Während bei den gewindefurchenden Schrauben das Kernloch separat mit einem handelsüblichen Bohrer erstellt werden muss, ist bei den Bohrschrauben der Bohrer im Verbindungselement integriert. Die Arbeitsschritte Bohren und Gewindefurchen können in einem Arbeitsgang durchgeführt werden. Die Wahl des geeigneten Bohrlochdurchmessers entfällt, aber nicht die Wahl der geeigneten Schraube.

Bohrleistung einer Schraube

Das Anwendungsspektrum von Bohrschrauben ist nicht unbegrenzt und wird durch die Bohrleistung ausgedrückt. Die Bohrleistung einer Schraube gibt an, bis zu welcher Gesamtdicke bestehend aus Bauteil I und Bauteil II die Schraube verwendet werden darf. Bei Sandwichelementen gilt als Bauteil I die Dicke der Deckschalen. Ist die Bohrleistung zu gering, kann die Schraube den Arbeitsgang Bohren nicht zu Ende bringen und die Bohrspitze setzt sich mit dem fließenden Span zu. Bohrschrauben mit größeren Bohrleistungen sind hinsichtlich Bohrspitzendurchmesser und Bohrspitzenlänge nur für Bauteile größerer Dicke ausgelegt. Eine Verwendung von Bohrschrauben mit zu großer Bohrleistung in dünnen Bauteilen führt zu einer starken Abschwächung der Haltekraft und ist nicht zulässig.

Klemmdicke von Bohrschrauben

Im Gegensatz zu den gewindefurchenden Schauben ist die Schraubenlänge bei Bohrschrauben nicht dass bestimmende Merkmal zur richtigen Längenbestimmung, sondern die Klemmdicke.

Ähnlich wie bei der Bohrkapazität ist die Klemmdicke immer so zu wählen, dass sie größer oder gleich der Summe aller Bauteile ist. Bei Sandwichelementen gilt hinsichtlich der Klemmdicke die Dicke des Elementes plus die Dicke der Unterkonstruktion.

Bohrschrauben erweisen sich bei dünnen Bauteilen als besonders Vorteilhaft gegenüber gewindefurchenden Schrauben. Mit zunehmender Bohrkapazität verändert sich bei Bohrschrauben aufgrund der notwendigen Bohrspitzenlänge das Verhältnis von Schraubenlänge zu Klemmdicke.

Abb. 5.6.14 Definition der Klemmdicke

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Hinterschnitt - gewindefreier Bereich

Zur Längsnahtverschraubung oder zum Anbringen von Kantteilen empfiehlt es sich, Schrauben mit einem so genannten Hinterschnitt zu verwenden.

Der Hinterschnitt ist ein gewindefreier Bereich unter dem Kopf der Schraube, der dem Kerndurchmesser der Schraube entspricht. Ein Sperren der Bleche wird bei Schrauben mit Hinterschnitt dadurch minimiert, dass Bauteil I in den gewindefreien Bereich läuft und Bauteil II ohne zusätzlichen Kraftanstieg herangezogen wird.

In der Praxis werden abhängig von der Materialstärke meist beide Bleche in den Hinterschnitt gezogen, was aber keinen Mangel in der Tragfähigkeit und Dichtheit der Verbindung darstellt.

5. Blindniete

Blindniete bestehen aus Hülse und Nietdorn. Bei der Montage wird mit einem Nietsetzwerkzeug der Dorn in Richtung Setzkopf gezogen und bewirkt, dass sich auf der Unterseite die Hülse staucht und einen Schließkopf bildet. Nach Ausbildung des Schließkopfes steigt die Zugkraft so stark an, dass der Nietdorn kontrolliert abreist.

Blindniete haben den Vorteil, dass der Kopf nur wenig aufträgt und das Gesamtbild einer montierten Fläche kaum beeinflusst.

Blindniete sind keine wasserdichte Verbindung. Ein Eindringen von Feuchtigkeit kann nur durch die Verwendung von Blindnieten mit zusätzlich aufgesteckter Dichtscheibe verhindert werden. Verbindungselemente, die in der Fassade eingebaut werden, müssen lediglich regensicher sein, da geringe Mengen Feuchtigkeit ablaufen oder verdunsten können. Folglich sind Blindniete als Verbindungselemente im Fassadenbereich geeignet.

Die Wahl des geeigneten Blindniets erfolgt analog der Bohrschrauben über die Klemmdicke. Der Bohrlochdurchmesser, mit dem der Blindniet vorgebohrt werden muss, ist in der Regel 0,1 mm größer als der Nenndurchmesser des Niets.

Abb. 5.6.15 Bohrschraube mit Hinterschnitt

Abb. 5.6.16 Bauaufsichtlich zugelassener Blindniet mit Hülse aus Aluminium und Nietdorn aus nichtrostendem Stahl

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6. Dichtscheiben

Dichtscheiben erfüllen mehrere Funktionen:

- Sie dichten gegen Feuchtigkeit ab

- Sie verbessern die statischen und dynamischen Werte der Verbindung. (Sie wirken stoßdämpfend und federnd)

- Sie sind Montageschutz und verhindern das Zerkratzen der meist kunststoffbeschichteten Oberflächen durch rotierende Schraubenköpfe oder Werkzeuge.

Die Dichtscheibe zeigt dem Verarbeiter, ob die Schraubverbindung richtig angezogen wurde. Die Verbindung ist korrekt ausgeführt, wenn der Metallrücken der Dichtscheibe fast eben ist und das aufvulkanisierte EPDM sich seitlich leicht herauswölbt. Dies ist bei einer Komprimierung von ca. 25% der Fall.

Zu schwach angezogene Schrauben als auch zu stark komprimierte Dichtscheiben können ihre Dichtfunktion teilweise nicht mehr erfüllen.

Um die Anforderung einer korrekten Verschraubung gerecht zu werden, bedarf es eines Schraubers mit Tiefenanschlag.

Der Tiefenanschlag (auf allen marktgängigen Schraubern ein Standardzubehör) ermöglicht eine sehr genaue und gleichmäßige Einschraubtiefe. Ist er einmal richtig eingestellt, sind alle folgenden Schraubverbindungen gleichmäßig gesetzt.

Drehmomentgesteuerte Schrauber sind ungeeignet. Das benötigte Drehmoment für den Arbeitsgang „Gewindefurchen“ liegt bei dickeren Unterkonstruktionen höher als das Drehmoment für eine optimal dichte Schraubverbindung.

Abb. 5.6.17 Nietsetzwerkzeuge - links: Elektrisches Nietgerät, kabellos; rechts: Robuste Einhandnietzange

Abb. 5.6.18 Korrekte Verbindung mit Dichtscheibe

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7. Obergurt / Untergurt

Jede Verbindungsstelle bedingt ein durchdringen der Profilbleche. Eine Vorschrift, ob die Verbindung im Obergurt oder im Untergurt zu erfolgen hat, gibt es nicht. Beide Verbindungsarten haben ihre Vor- und Nachteile.

Der sicherste Schutz vor Undichtigkeiten wird erreicht, wenn der Dachschub durch eine Untergurtverbindung unter dem Firstblech aufgenommen wird und alle anderen Verbindungen im Obergurt erfolgen. Schubbewegungen, die z.B. durch Temperaturunterschiede entstehen, werden elastisch aufgenommen.

Um ein Eindellen der Obergurte zu verhindern, sollten Kalotten verwendet werden.

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8. Kalotten

Außenschalen von Dächern in Form von Profilblechen oder Sandwichelementen stellen hohe Anforderungen an Dichtheit und Bewegungsfreiheit.

Die Verschraubung der Außenschale im Untergurt wird häufig gemacht, ist jedoch nicht sehr empfehlenswert (vgl. Abschnitt 7. Obergurt / Untergurt).

Ist die Schraubverbindung nicht richtig dicht (z. B. durch Montagefehler), ist bei einer Verschraubung im Untergurt ein größerer Wasserschaden zu erwarten, als bei einer Verschraubung im Obergurt. Schubkräfte quer zur Schraubenlängsachse, führen bei Stahlprofilblechen, die im Untergurt verschraubt sind zu einer Lochleibung, während bei einer Verschraubung im Obergurt das Verbindungselement die Kräfte als Biegemoment elastisch aufnimmt.

Um eine Obergurtverschraubung sicher zu gestalten, ist die Verwendung so genannter Kalotten unumgänglich.

Die Kalotte ist ein Negativprofil, welches dem Obergurt des Stahltrapezprofils oder des Sandwichelementes angepasst ist. Durch die große Auflagefläche der Kalotte ist die Gefahr einer Beulenbildung bei der Montage sehr gering.

Die Anpassung der Kalotte an die Profilform ermöglicht eine effiziente Abdichtung. Bei der Verwendung von Kalotten ist eine Dichtscheibe mit einem Durchmesser von 16 mm zu verwenden.

 

Abb. 5.6.20 Kalotten für eine fachgerechte Obergurtverbindung bei Sandwichelementen - Quelle: EJOT

Abb. 5.6.21 Detail einer Dachausführung mit Kalotten

 

9. Dellenreduzierung bei Sandwichelementen

Sandwichelemente zur Bekleidung von Wandflächen sind im Allgemeinen nur leicht profilierte Elemente. Dies bedingt, dass ein leichtes Eindrücken der Deckschale von nur wenigen 10tel Millimeter bei entsprechendem Lichteinfall aus passender Entfernung betrachtet bereits sichtbar wahrgenommen wird. Eine sichtbare Verschraubung von Sandwichelementen ohne ein leichtes Eindrücken der Deckschale ist praktisch nicht möglich, da die Dichtscheibe eine Verformung aufweisen muss um zu dichten.

Schrauben mit einem Stützgewinde bewirken, dass die Deckschale zwischen Stützgewinde und Dichtscheibe eingefangen ist, wodurch die äußere Schale dauerhaft an der Dichtscheibe anliegt. Eine Vermeidung von Dellen ist bei der Verwendung von Schrauben mit Stützgewinde ebenfalls nicht möglich.

Inwieweit eine Delle im Sandwichelement systembedingt ist, oder bereits einen Mangel darstellt, ist zur Zeit immer noch strittig. Ein Zitat aus den IFBS-Montagerichtlinien [6] lautet: „Einbeulungen quasi ebener Deckschalen von Sandwichelementen sollten im Bereich der Verschraubung kleiner als 2 mm sein“.

Die Verwendung von Dichtscheiben mit größerem Durchmesser macht es einfacher, die Dellenbildung zu minimieren. Ohne Dellen montierbar sind nur verdeckt verschraubte Sandwichelemente.

Abb. 5.6.22 Schraube mit Stützgewinde für Sandwichelemente zur Reduzierung von Dellen

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Abb. 5.6.23 Schrauber mit einstellbarer Drehmomentkupplung für gewindefurchenden und selbstbohrenden Schrauben

 

10. Auswahl geeigneter Schrauber

Die einzusetzenden Verschraubungsgeräte sind den Erfordernissen der Schraube und Verschraubung entsprechend auszuwählen. Da das Schraubenspektrum sehr breit ist, ist auch die Palette der Verschraubungsgeräte sehr breit. Die Gefahr besteht, dass aus Unwissenheit oder aufgrund nicht fachgerechter Beratung, ungeeignete Schrauber zu Einsatz kommen, die dann zu unbefriedigenden Arbeitsergebnissen führen.

Zur Verarbeitung von selbstfurchenden Schrauben sind nur Drehmomentschrauber mit Tiefenanschlag zu verwenden. Schlagschrauber sind ungeeignet.

Die Drehzahl der Schrauber richtet sich nach der Art der Schraube. Gewindefurchende Schrauben sollen mit einer Drehzahl von max. 600 1/min verschraubt werden.

Bei höheren Drehzahlen kann es bei Schrauben aus Edelstahl „rostfrei“ durch ein „Abbrennen“ der Schmierfilme zum „Fressen“ und damit zum Zerstören des Gewindes kommen.

Für selbstbohrende Schrauben muss die Drehzahl so ausgelegt sein, dass eine optimale Schnittgeschwindigkeit an der Bohrspitze erreicht wird. Als optimal hat sich eine Drehzahl von 1300 bis 1500 1/min erwiesen.

Abb. 5.6.24 Bauaufsichtliche Zulassung für Verbindungsmittel im industriellen Leichtbau - Quelle: IFBS

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11. Allgemeines

Die geltenden baurechtlichen Vorschriften verlangen zur Sicherstellung der Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit eines Bauwerkes oder einer Baukonstruktion bei Verwendung nicht genormter oder neuer Bauteile, Bauarten u. s. w. den Nachweis der Brauchbarkeit in den Fällen, wenn es sich um eine tragende Konstruktion handelt.

Eine tragende Konstruktion im Sinne des Baugesetzes liegt vor, wenn deren Versagen die Sicherheit der Allgemeinheit gefährdet. Verbindungsmittel im industriellen Leichtbau erfüllen eine tragende Funktion im o. g. Sinn und müssen deshalb die Eignung (Brauchbarkeit) für den Verwendungszweck erfüllen.

Die Verbindungsmittel müssen in umfangreichen Prüfungen bei anerkannten Prüfinstituten ihre Brauchbarkeit unter Beweis stellen. Durch Versuche werden die Grenzen der Belastbarkeit ermittelt. Bauteilkombinationen, wie sie in der Praxis üblich sind, werden bei den Versuchen berücksichtigt. Aufgrund eines Gutachtens der Prüfstelle kann das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin eine bauaufsichtliche Zulassung für das geprüfte Verbindungselement vergeben.

Dem Zulassungsbescheid können neben Verarbeitungshinweisen, Übereinstimmungsnachweise, Verwendungszweck etc. die zulässigen Kräfte in Zug-, als auch in Querkraftrichtung für das entsprechende Verbindungselement entnommen werden. Bei Verbindungselementen, die zur Befestigung von Sandwichelementen geeignet sind, ist noch zusätzlich die zulässige Kopfauslenkung ermittelt worden. Eine Zulassung befreit davon, im Einzelfall die Brauchbarkeit des Gegenstandes nachzuweisen. Vom Verarbeiter sind die Angaben im Zulassungsbescheid einzuhalten.

Verbindungselemente im industriellen Leichtbau sind geregelt durch die bauaufsichtlichen Zulassungen Z-14.1-4 und Z-14.4-407. Inhaber dieser Zulassung ist der Industrieverband für Bausysteme im Stahlleichtbau (IFBS).

Autoren
EJOT Baubefestigungen GmbH - Bad Laasphe
Michael Hellwig - Dipl.-Ing. (FH)
Hartmut Schukey

 

Literatur

Bauaufsichtliche Zulassung Z-14.4-407 Verbindungselemente zur Verwendung bei Konstruktionen mit Sandwichbauteilen Inhaber: IFBS (Industrieverband für Bausysteme im Stahlleichtbau e.V., Max-Planck-Str. 4, 40237 Düsseldorf

DIN 18338.2002-12 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten

Bauaufsichtliche Zulassung Z-14.1-4 Verbindungselemente zur Verwendung bei Konstruktionen mit „Kaltprofilen“ aus Stahlblech – insbesondere mit Stahlprofiltafeln Inhaber: IFBS (Industrieverband für Bausysteme im Stahlleichtbau e.V.), Max-Planck-Straße 4, 40237 Düsseldorf

DIN 1052-2: 1988-04 Holzbauwerke; Mechanische Verbindungen

DIN 18807-3:1987-06 Trapezprofile im Hochbau; Stahltrapezprofile; Festigkeitsnachweis und konstruktive Ausbildung

Richtlinie für die Montage von Stahlprofiltafeln für Dach-, Wand- und Deckenkonstruktionen. Herausgeber: IFBS (Industrieverband für Bausysteme im Stahlleichtbau e.V.), Max-Planck-Straße 4, 40237 Düsseldorf

R. Landgrebe, M. Gugau, H. Friederich: Anfälligkeit gewindeformender Schrauben aus korrosionsbeständigen Stählen gegenüber Spannungsrisskorrosion. Materials and Corrosion 53, 165-175 (2002)

 

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